„Bilden Sie Zweier Gruppen. Erstellen Sie aus „Naturbewusst 3“ 1-2 Quizfragen à la „Wer wird Millionär“. Die Quizfragen werden zentral zusammengefasst, danach wird das Quiz durchgeführt. Dokumentieren Sie Ihre Quizfrage(n). Kommentieren Sie Ihre Erfahrungen vor und während des Quiz vor dem Hintergrund eines möglichen Einsatzes im Biologieunterricht.“

Hintergrundwissen zur Methode Quiz

Laut Duden ist ein Quiz ein „besonders im Fernsehen, Rundfunk veranstaltetes Frage-und-Antwort-Spiel, bei dem die Antworten innerhalb einer vorgeschriebenen Zeit gegeben werden müssen“ (Duden 2015). Bei dem bekannten deutschen Quiz „Wer wird Millionär“ geht es darum, mit minimalem Aufwand (Einsatz der zur Verfügung stehenden Jokern) maximalen Gewinn (potentieller Höchstgewinn 1 Million Euro) zu erzielen. Es gibt insgesamt 15 Fragen, deren Schwierigkeitsgrad stetig ansteigt. Pro Frage stehen dem Spieler vier Antwortmöglichkeiten zur Auswahl.

Es gibt spezielle Programme, die dabei helfen ein Quiz nach der Vorlage „Wer wird Millionär“ zu konstruieren. Bergkemper entwickelte eine Software namens „Wer wird unser Millionär“. Die Anwendung zeichnet sich dadurch aus, dass sowohl die Fragen als auch Antworten offen gestaltet sind. Damit lassen sich die Fragen beliebig an das jeweilige Fach oder Lernstoff der Klassen anpassen. Die Fragen können dem Schwierigkeitsgrad der Fragen angepasst werden (Piéla 2002). Durch die Aufnahme zweier originaler Joker (Telefon- und Publikums-Joker) „kommt ein kommunikatives, dynamisches und attraktives Lernelement in die Klasse“ (Piéla 2002, S.58). Diese Anwendung lässt es zu, motivierende Wettbewerbe durchzuführen (Lernfortschritt, Bestenliste etc.). Die Einzigartigkeit dieses Programmes liegt darin begründet, dass ein solches Quiz neben Vertretungsstunden vor allem auch für differenzierende Lernzugänge genutzt werden kann. Mithilfe der einfachen Handhabung lässt sich in kürzester Zeit ein Quiz erstellen (Piéla 2002). Jegliche Informationen zum Programm finden Sie auf der Seite http://www.tb-u.de.

Albrecht legt den Fokus beim „Wer wird Millionär“-Quiz auf die Wiederholung von Lerninhalten und betont die damit verbundenen Charakteristika (Kreativität, Teamarbeit, Lernfreude, Präsentationstechniken und eigenständiges Lernen). Ferner betont er die Relevanz regelmäßiger Wiederholungsphasen, da ein Wissenserwerb und Wissenszuwachs andernfalls nicht gegeben sein kann. Neben bereits allseits bekannten Möglichkeiten, Lerninhalte zu wiederholen, wie zusammenfassende Arbeitsblätter oder Kurzpräsentationen, bietet sich vor allem auch Wiederholen in Spielform (z.B. „Wer wird Millionär“ an. Der Autor gibt hinsichtlich der Vorbereitung einige Tipps:

  • Bildung von Teams (vier bis sechs SuS).

  • Aufteilung der zu wiederholenden Lerninhalte und Zuweisung an die Teams.

  • Austeilung einer Arbeitsblatt-Vorlage (Hinweise und Tipps zur Erstellung von sinnvollen Fragen):

    • Beachtet werden sollte ein ansteigender Schwierigkeitsgrad.

    • Neben Abfragen von Begriffen oder Wissen sollten ebenfalls Verständnisfragen gestellt werden.

    • Nach jeder Frage soll die Antwort begründet werden.

  • Erstellen der Fragen entweder auf einer Folie oder Eingabe in die Power-Point-Vorlage.

  • Je ein Team tritt gegen ein anderes an.

  • Jede Gruppe präsentiert und moderiert ihr Quiz selbstständig.

Zum Ablauf des Kurstages

Die Studenten wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Gruppe A und Gruppe B haben jeweils ca. acht Beispielfragen zum Thema „Energie aus Nahrung & Sonnenlicht“ und „Gesund sein und bleiben“ entwickelt. Das Biologiebuch Naturbewusst 3 (7./8. Klasse) wurde zur Hilfe genommen. Bevor die Fragen überhaupt konzipiert wurden, einigte man sich im Plenum über die Regeln des Quiz. Letztendlich wurde festgelegt, dass jeder Student eine Frage ohne Hilfe seiner Gruppe zu beantworten hat. Des Weiteren hatte jede Gruppe Zugriff auf drei Joker. Diese waren dazu gedacht, die Tendenz der Gruppe zur jeweiligen Frage herauszufinden. Dazu hatten die Studenten eine Art „Flip Chart“, auf der sie den jeweiligen Buchstaben schreiben und damit der jeweiligen Person zeigen konnten. Sonstige Beratungen und dergleichen waren untersagt. Die endgültige Antwort oblag letztendlich dem aktuellen Spieler.

Erfahrungen vor Durchführung des Quiz

Es war zunächst eine Herausforderung, ein dem Anforderungsniveau der Kommilitonen passendes Thema zu finden und zu diesem Bereich passende Fragen zu konzipieren. Besonders mühsam war es, die richtigen und relevanten Fragen zu stellen und die dazugehörigen falschen Antworten zu entwerfen (Scholz 2012). Nachdem das Thema „Ernährung“ gefunden war, wurden in Partnerarbeit folgende Frage- und Antwortmöglichkeiten erarbeitet:

quiz 1
Urheberrecht: Biologiekurs (Pütz)

Die zweite Frage bezog sich auf das lebensnotwendige Vitamin D.

quiz 2
Urheberrecht: Biologiekurs (Pütz)

Erfahrungen während des Quiz

Die beiden Gruppen fanden sich zusammen. Einer Gruppe stand das Smart Board zur Verfügung und der anderen der Beamer. Immer abwechselnd wurden den beiden Gruppen die Fragen der jeweils anderen Gruppe vorgestellt. Es entstand ein gewisser Konkurrenzdruck; beide Gruppen waren zunehmend bestrebt zu gewinnen.

Zu den konzipierten Fragen

Die erste Frage stellte sich als eine für Biologiestudenten durchaus machbare heraus. SuS würde die Beantwortung wesentlich schwerer fallen, da sie sich in der Jugendphase eher weniger für (gesunde) Ernährung interessieren. Letztendlich würden sie das Ergebnis womöglich erraten. Die zweite Frage war schon schwieriger, dennoch lösbar für die Studenten. SuS könnten es als Schwierigkeit empfinden, die unterschiedlichen Vitamine auseinander zu halten und somit die korrekte Antwort zu geben.

Worauf ist bei der Konzeption der Fragen zu achten?

Während des Quiz stellte sich bei einigen Fragen heraus, dass doppelte Verneinungen vorkamen. Das sollte vermieden werden, da es sehr irritierend sein kann. Die Fragen und Antwortmöglichkeiten sollten generell eindeutig und prägnant formuliert werden, damit es nicht zu Missverständnissen kommt. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, das Quiz der jeweiligen Klasse und Klassenstufe anzupassen. Denn eventuell gibt es Migranten, die Verständnisprobleme durch die Fremdsprache Deutsch haben könnten. Hinsichtlich der Differenzierung in leistungsschwächeren Klassen wäre es denkbar, dass sich die Gruppe bei der Beantwortung der Fragen untereinander beraten darf.

Überlegungen nach dem Quiz – Einsatz in der Schule

Es ist wichtig, den Prozess des Quiz zu durchlaufen – von der Konzeption der Fragen bis letztendlich zur Beantwortung der Fragen – denn nur so weiß die angehende Lehrperson, wo Schwierigkeiten liegen könnten und wie man sich tatsächlich bei der Durchführung eines Quiz fühlt. Es ist nicht einfach, im Rampenlicht zu stehen und dem Druck ausgesetzt zu sein, die korrekte Antwort geben zu müssen. Man möchte sich nicht vor den Kommilitonen bzw. Mitschülern blamieren. SuS müssen in der Lage sein, Texten Informationen zu entnehmen und „falsche“ Antworten zu formulieren. Somit wäre ein Einsatz frühestens ab Klasse 8 sinnvoll. Die Einteilung der Partner und damit auch der Gruppen sollte von der Lehrperson bestimmt werden, da eine Heterogenität der Gruppen sonst nicht gewährleistet sein kann. Diese Methode eignet sich gut zur spielerischen Wiederholung und Vertiefung von bereits Gelerntem. Die SuS können zur Konzeption der Fragen ihr Lehrbuch/Mappe zur Hilfe nehmen. Es wäre möglich, Fragen zum Thema vorangegangener Unterrichtsstunden zu konzipieren (z. B. Ökosystem Wald) somit haben alle SuS gleiche Chancen auf einen potentiellen Sieg, da keine neuen Inhalte mithilfe des Quiz vermittelt werden. Hinsichtlich der Medien ist zu beachten, dass nicht jede Schule über einen Beamer mit Laptop oder gar über ein Smart Board verfügt. Dies bedeutet allerdings nicht, dass auf das Quiz verzichtet werden muss: Ein Overhead Projektor und die dazugehörigen Folien und Stifte können ebenso gut verwendet werden. Es steht natürlich außer Frage, dass eine „Wer wird Millionär“-Version bei Powerpoint imposanter ist und damit einen größeren Spaßfaktor hat.

Mit Sicherheit können ebenfalls Probleme auftreten. Der entstandene Konkurrenzdruck kann dazu führen, dass SuS eventuell von Mitschülern „gemobbt“ werden, wenn sie falsche Aussagen machen. Eben dieser Konkurrenzdruck kann schnell zu ernst genommen werden. Da sich einige SuS generell schon unwohl fühlen wenn sie im Mittelpunkt stehen und sich dem Druck nicht gewachsen fühlen, sollte man das Quiz zu ihren Gunsten auslegen – sprich Gebrauch von dem zuvor genannten „Gruppenjoker“ machen.

Handlichkeit der Anwendung

Die Anwendung der Vorlage „Wer wird Millionär“ über Power Point ist an sich sehr handlich. Die Lehrperson kann den SuS diese zur Verfügung stellen, somit ist eine Weiterarbeit der Vorlage am PC möglich. Sollte nur ein Overhead Projektor zur Verfügung stehen, könnte die Lehrperson eine Art Vorlage auf Folie zeichnen, nach der die SuS ihre Fragen generieren können.

Warum sollte man sich für die Methode Quiz entscheiden?

Das Quiz ist ein gutes Mittel, die SuS zu motivieren, das bereits Gelernte umzusetzen. Die sich immer schneller wandelnden Medien fordern ebenfalls Lehrkräfte heraus, sich ihnen anzunehmen und einige der Medien sinnvoll im Unterricht einzusetzen. Dies fördert eine Interessens- und Leistungssteigerung der Schülerschaft (Mayer-Glaser, Seidel 1997). Giemza et al. (o. J.) merken an, dass der Einsatz von Quiz-Applikationen als eine moderne Form des mobilen Lernens angesehen werden können. Ferner konnte mithilfe von Forschungen ermittelt werden, dass solche Applikationen sowohl bei SuS als auch bei Lehrkräften eine hohe Akzeptanz genießen. Giemza et al. (o. J.) verweisen auf das „Stanford Mobile Inquiry-based Learning Environment“ („SMILE“), welches neben dem Beantworten auch das Generieren von Fragen erfordert. Charakteristisch ist, dass die Fragen direkt im Anschluss vom Rest der Klasse/des Seminars beantwortet werden. „SMILE“ bezieht sich somit genau auf die oben genannte Aufgabe, die von den Studenten durchgeführt wurde. Zusätzlich gäbe es die Möglichkeit, ein Quiz als Hausaufgabe oder sogar als Überprüfung von Hausaufgaben einzusetzen. Man solle auch offene Fragen einbringen, da „die Beantwortung einer Frage auch produktionsorientiert sein“ ) müsse (Giemza et al. o. J., S. 257. Bestätigt haben sich der soziale Aspekt und die damit verbundenen Wissenszuwächse. Es sollte darauf geachtet werden, die Methode nicht zu häufig einzusetzen, da der „Effekt des Neuen“ abnimmt. Ein letzter wichtiger Punkt seitens der Lehrkraft ist der Aufwand dieser Methode, der in der Tat gering ist, so lange das Quiz im Unterricht von den SuS erarbeitet wird. Im Zuge einer Hausaufgabenkontrolle würde der Aufwand für die Lehrperson allerdings sehr hoch sein.

Exkurs

Im Rahmen der Praxisphase im Master of Education unterrichtete die Studierende Biologie in einer 8. Realschulklasse. Die Methode Quiz wurde als Einstieg (Thema Haut) ausgewählt. In einer vorherigen Stunde, die einen Unterrichtsbesuch darstellte, bekamen die SuS den Auftrag, jeweils eine Quizfrage nach dem „Wer wird Millionär“ Prinzip zu konstruieren. Diese Hausaufgabe wurde eingesammelt und als Basis für das Quiz genommen. Zusätzlich wurden Fragen zur Haut ergänzt und in die Powerpoint-Präsentation eingefügt.

Was gelang gut?

Die SuS waren während der Durchführung des Quiz sehr motiviert. Ihre Hausaufgabe wurde wertgeschätzt, da die Fragen in das Quiz übernommen wurden. Es war eine sehr gute Wiederholung des Themas Haut.

In welchen Bereichen zeigten sich Optimierungsmöglichkeiten?

Die SuS waren bei der Durchführung des Quiz relativ unruhig. Dies lag unter anderem daran, dass sie sehr motiviert waren und das Spiel vorher noch nicht durchgeführt haben. Leider blieb es nicht aus, dass sich einige der SuS untereinander abgesprochen haben, obwohl dies ausdrücklich untersagt wurde.

Welche Schwerpunkte lassen sich konkret für die Weiterarbeit formulieren?

Bereits beim Erklären der Regeln muss den SuS bewusst sein, dass sie die Fragen in Einzelarbeit beantworten sollen und nur im Ausnahmefall einen Rat zur Hilfe nehmen dürfen.

Eigenreflexion

Während der Durchführung des Quiz waren beide Gruppen sehr motiviert und der Kampfgeist wurde geweckt. Ein Kompetenzfortschritt ist insofern zu verzeichnen, als die SuS im zukünftigen Biologieunterricht der Studierenden gut angeleitet werden können, da sie selbst die einzelnen Schritte durchlaufen haben und sich darüber bewusst sind, was es bedeutet, während der Beantwortung einer Frage unter Druck zu stehen.

Literatur

Albrecht, R. (2003). – Wer wird Millionär? Wiederholen einmal anders. Praxis Geographie, Heft 7-8, S. 56-59.

Eschenhagen, D.; Kattmann, U.; Rodi,D. (2008). – Fachdidaktik Biologie. Aulis, Köln.

Duden (2015). – Die deutsche Rechtschreibung, Bibliographisches Institut GmbH, Berlin.

Giemza, A. et al. (o. J.). Einsatz einer mobilen Quiz-Applikation im Schulunterricht, Duisburg. (subs.emis.de/LNI/Proceedings/Proceedings207/249.pdf).

Mayer-Glaser, C.; Seidl, T. (1997). – Mehr Freude am Lernen durch eine neue Form der Unterrichtsdidaktik „Schülerquiz“, Karlsruhe. (quepnet.fh-bielefeld.de/data/doc/id_228/Q_LZK_Schuelerquiz.pdf).

Meyer, H. (1987). – Unterrichtsmethoden. Cornelson-Scriptor, Frankfurt. (http://www.bpb.de/shop/lernen/thema-im-unterricht/36913/methoden-kiste).

Piéla, G. (2002). – Wer wird unser Millionär? Aktuellen Lernstoff spielend lernen und überprüfen. Schulmagazin 5-10, Heft 5, S. 58.

Scholz, L. (2012). – Methoden-Kiste. Thema im Unterricht/Extra. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn.